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Umfrage Gewalt an Schulen

Umfrage: "Gewalt an der Schule"

 Vorstellung des Präventionsprojekts anlässlich des Frankfurter Präventionstages am 22.9.2000 im Frankfurter Römer

Einleitung:

Wie sieht es mit Gewalt an der Schule aus? Welche Einstellung haben Schülerinnen und Schüler zum Thema Gewalt. Wie verbringen Kinder und Jugendliche ihre Freizeit?

Dies sind Fragen , auf die die Geschäftstelle des Präventionsrates im Rahmen einer Umfrage bei den Besuchern des Frankfurter Präventionstag erste Antworten haben wollte. Hierzu wurde in Zusammenarbeit mit einer Frankfurter Schule ein Fragebogen entwickelt und am Stand des Präventionsrates ausgegeben.

Dieser Fragebogen stieß bei Schülerinnen und Schülern auf riesiges Interesse, so dass an der freiwilligen Umfrage 364 Rückläufe zu verbuchen waren. Das Ergebnis der Auswertung ist aufgrund der Datenmenge keine repräsentative Umfrage unter Jugendlichen. Gleichwohl kann aufgrund der ausreichenden Datenmenge von einem aktuellen, spontanen Meinungsbild der Besucher des Präventionstages gesprochen werden, dessen sichtbare Trends stellvertretend für die Ansicht und Lebenseinstellung vieler Jugendlicher in Frankfurt stehen.

Ursprünglich war die Umfrage als Hilfe für die Evaluation der Präventionsarbeit gedacht. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl und dem ernsthaften und engagierten Ausfüllen der Fragebögen durch die Schülerinnen und Schüler ist es sachgerecht, dass Ergebnis auch der Öffentlichkeit vorzustellen.

 

Vorbemerkung:

Jede Umfrage gibt Spielraum für Interpretation und Auslegungen. Bei einem spontanen Meinungsbild bei 364 Rückläufen muss daher bei der Erläuterung des Ergebnisses bisherige Umfragen und Erfahrungen der Fachleute mit einfließen .Bei der Auswertung des Ergebnisses wurde daher auch der Arbeitskreis "Gewaltprävention" beim Staatlichen Schulamt einbezogen.

Dem Ergebnis der Frage nach den Hobbys und weiteren 14 Fragen wurden entsprechende Auswertungsthesen zugeordnet:

Hobbys

Festzustellen ist, dass 90 % aller Befragten ein Hobby haben.

Fußball und Handball stehen bei Jungs nach wie vor im Mittelpunkt

20 % haben allerdings bereits kein 2. und 33 % kein 3. Hobby.

 

1. Was nervt dich an der Schule?

Hier gibt es keine besonderen Augenfälligkeiten zu früheren Generationen.

Festzuhalten ist, dass nicht Notendruck, Unterricht und Klassenarbeiten am meisten nerven, sondern Hausaufgaben und das frühe Aufstehen. Es sind all die Dinge, die Kontinuität und Disziplin erfordern.

 

2. Was macht Dir Spaß an der Schule?

Auch hier ist nicht erstaunlich, dass Feiräume jenseits des Unterrichts wie Pausen, Freunde treffen, Klassenfahrten am meisten Spaß machen. Besondere Bedeutung hat der Sport für Jungs an der Schule. Hier erklären rund 74 % der Befragten Jungs, dass Sport für sie Spaß in der Schule macht.

 

3. Warst du schon einmal Opfer folgender Angriffe an der Schule?

(Bedrohung, Beleidigung, Anbrüllen, Körperverletzung, Sexuelle Anmache, Schubsen / Anrempeln, Anspucken, Verspotten, Lüge, Diebstahl, Beinchen stellen, Stuhl wegziehen, Raub, Erpressung, Einsperren, andere)

Auch in dieser Umfrage wird bestätigt, dass Körperverletzung, Raub und Erpressung in der Regel kein Thema an Frankfurts Schulen ist.

Beleidigung, Verspotten, - also das verbale "Anmachen", ist öfters festzustellen .Aber auch hier sind keine über vergleichbare Umfragen hinausgehende Besonderheiten festzustellen.

 

4. Was bedeutet für Dich Gewalt?

82 % lehnen Gewalt aus Überzeugung ab.

16,8 % akzeptieren Gewalt als Mittel zur Durchsetzung des eigenen Willens.

Besonders Mädchen sagen klar nein zur Gewalt.

 

5. Welchen von diesen Handlungen hast du schon selbst (in der Schule) begangen?

(Bedrohung, Beleidigung, Anbrüllen, Körperverletzung, Sexuelle Anmache, Schubsen / Anrempeln, Anspucken, Verspotten, Lüge, Diebstahl, Beinchen stellen, Stuhl wegziehen, Raub, Erpressung, Einsperren, andere)

8.5 % (13,4 % der Jungs) aller Befragten haben manchmal Körperverletzungen begangen.

7,0 % der Jungs haben oft Köperverletzung begangen, also körperliche Gewalt ausgeübt.

Die Umfragen zeigt, dass ein kleiner Kern von Schülern gewaltbereit ist und dies auch tut.

Dieses Ergebnis deckt sich auch mit Bewertungen der Jugendkoordinatoren der Frankfurter Polizei. Erfreulich ist ,dass diesem kleinen aber harten Block eine große Ablehnungsfront gegenübersteht.

 

6. Warum tust du das?

Langweile ist vor allem bei Jungs (35.9 %) Hauptgrund für Gewalt und auffälliges Verhalten. Selbstschutz ,Stress , Frust und Freude sind weitere wichtige Gründe.

Soziale oder gesellschaftliche Rechtfertigungen werden nicht signifikant angeführt. Leistungsdruck oder kulturelles anders sein Spielen keine Rolle. Auch das Nacheifern der Medien (TV) ist nicht Auslöser von asozialen oder gewalttätigen Verhalten.

 

7. Hast Du Gewalt zu Hause erlebt?

Interessant ist ,dass Mädchen (15,3%) mehr Gewalt durch Eltern empfinden oder erfahren als Jungs (9,6%)

Jungs empfinden und dies zeigt sich (12,7,%) wieder z.B. Gewalt durch Geschwister.

 

8. Fühlst Du dich in der Schule bedroht?

90 % sagen nein; nur 4 % ja

Dies dokumentiert, dass sich Schülerinnen und Schüler in Frankfurt in der Regel sicher und angstfrei fühlen 

 

9. Fühlst Du dich außerhalb der Schule bedroht?

Auch hier sagt die deutliche Mehrheit von 85.7% ,dass sie nicht bedroht werden.

(Mädchen haben etwas mehr Angst als Jungs - hier fließen auch subjektive Ängste ein)

 

10. Wie schützt Du Dich?

Die Solidarität der Freunde wird als wichtigster Schutz vor Gewalt und Bedrohung gesehen.

Die Angabe Messer ,Reizgas und Schlagstock sind vielfach Imponiergehabe bei Jungs. Aber auch nach Relativierung der Angaben bleibt festzuhalten, dass bei einem, wenn auch kleinen Teil der Jungs, die Überzeugung herrscht, dass Waffen wirksame Mittel des persönlichen Schutzes darstellen .

 

11. Wie verhältst Du Dich, wenn Du angegriffen wirst?

Auch hier zeigt sich: Die Mädchen rufen um Hilfe und Hauen ab. Die Jungs verteidigen sich.

 

12. Wie verhältst Du Dich, wenn ein anderer angegriffen wird?

10% der Jungs aber nur 3% der Mädchen schauen weg.

Die Mädchen versuchen verstärkt zu schlichten und Hilfe zu rufen, die Jungs zu verteidigen.

 

13. Was glaubst Du, wie kann gewalttätiges Verhalten vermindert oder eingeschränkt werden?

Bessere Erziehung in Schule und Familie glauben 44.2 % aller Befragten könne gewalttätiges Verhalten vermindern.

Sport und klare Regeln und Gesetze folgen mit 25% und 24 %.

Bessere Lebensbedingungen und das eigene Verhalten bilden das Schlusslicht .

 

14. Was interessiert Dich und was machst Du gerne?

60 % der Jungs und 43,7 % der Mädchen schauen gern Fernsehen

21 % der Jungs und 10 % der Mädchen schauen länger als 4 Stunden am Tag

40 % der Jungs und 38,8 % der Mädchen tragen gern modische Artikel

Musik machen Jungs und Mädchen gerne (ca.20 %) aber nicht im Verein.

Sport machen vor allem Jungs im Verein

Besonders gern beschäftigen sich Jungs mit dem Computer (64 %) während die Mädchen mehr die Kommunikation pflegen: Mit Freunden austauschen (73 %) und ins Kino gehen (66,7%)

Im Stadtteil rumhängen machen 38,5, % der Jungen gerne.

 

Fazit:

Die Schule stellt kein Ort der Bedrohung dar. Im Gegenteil ,die Schüler fühlen sich in der Schule nicht bedroht und sicherer, wie außerhalb der Schule.

Was an der Schule nervt und was Spaß macht unterscheidet sich nicht von früheren Generationen. Neben Hausaufgaben nervt vor allem das frühe Aufstehen.

Auch der heutige Schulalltag ist natürlich nicht frei von Mobbing, Anmache und verbalen Attacken. Täter und Opfer sind oft gleich.

Die große und deutliche Mehrheit der Schüler lehnt Gewalt als geeignetes Mittel der Durchsetzung des eigenen Willens ab.

Es gibt eine kleine Gruppe von Schülern, die offen für Gewalt sind und sich auch nicht scheuen Gewalt zu praktizieren.

Langweile ist der wichtigste Grund für gewalttätiges und aggressives Verhalten. Langweile kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass viele Jugendliche nur bis 2 Hobbys haben ,viel Fernsehen und im Stadtteil rumhängen.

Die Hilfe durch Freunde ist der wichtigste Schutz vor Bedrohung und Gewalt. Daraus ist zu folgern, dass Freundschaft einen hohen Stellenwert besitzt und die Pflege von Freundschaft besonders bei Mädchen ausgeprägt ist.

Wenn ein anderer angegriffen wird, zeigt man Solidarität und handelt. Hier fühlen sich Mädchen besonders verantwortlich und schauen nicht weg.

Klare und deutliche Vorstellungen haben Jungs und Mädchen wie der Gewalt langfristig zu begegnen ist: Durch bessere Erziehung in Schule und Familie.

Die Umfrage hat gezeigt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht die gesellschaftlichen Rahmenbedingen wie Chancengleichheit, bessere Lebensbedingungen und klare Regeln und Gesetze als wichtigste Punkte der Gewaltprävention sehen .Ursachen von Gewalt muss durch die Erziehung in der Familie und in der Schule begegnet werden. Diese Feststellung durch die Befragten Schülerinnen und Schüler dokumentiert auch, dass dort nach Ansicht der Befragten Defizite vorhanden sind und sich die Schüler selbst für sich oder Mitschüler eine bessere Erziehung erwarten.

Sport und Musik sind für die Schüler besonders wichtig und haben eine große Bedeutung

Für Jungs macht Sport Spaß im schulischen Alltag. Fußball ist wichtigstes Hobby und Sport dient nach Ansicht von 28,7 % der männlichen Befragen eine wichtige Rolle bei der Gewaltprävention. Auch die Bereitschaft Sport im Verein zu machen ist groß.

Mädchen hören am Liebsten Musik (82,7 %), machen Musik (21 %) aber nicht im Verein.

21,7 % der Jungs (nur 10 % der Mädchen) schauen mehr als 4 Stunden Fernsehen am Tag.

Nur 10 % der Jungs eifern Vorbilder der Medien (TV) nach. Fernsehen ist eher ein Mittel die Langweile zu bekämpfen als Ursachenfaktor für Gewalt.

 

F o l g e r u n g e n :

Strategien der Gewaltprävention müssen in der Erziehung in der Familie und der Schule eingebunden und intensiviert werden. (Kinder und Jugendliche wollen erzogen werden).

Kinder und Jugendliche sind für Sport und Musik zu begeistern. Dies muss verstärkt Berücksichtigung in der Erziehung finden. Das sportliche und musikalische Potential bei Kindern und Jugendlichen muss aufgegriffen werden. Hier sollten Vereine neue Wege beschreiten, Freiräume schaffen, um auch den besonderen Bedürfnissen (von Jungs und Mädchen) Rechnung zu tragen und sie somit dauerhaft für den Verein zu gewinnen.

A) Gewalttäter und gewalttätige Denkungsweise gilt es frühzeitig zu isolieren und die Solidarität der Gemeinschaft zu stärken. Aufklärung, Hilfe und Information muss bereits Gegenstand der Erziehung im Kindergarten sein. Die Eltern müssen einerseits bei der Erziehung beraten und unterstütz werden. Auf der anderen Seite ist ihre Mitarbeit und Mitverantwortung einzufordern.

B) Die in den Stadtteilen mit Regionalräten begonnene vernetzte Arbeit zwischen Schulen, Jugend- und Sozialeinrichtungen und Vereinen ist fortzusetzen.

 

BILDERGALERIE

Umfrage Otto-Hahn-Schule 2003




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